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«Better late than never - Ein Lebenszeichen aus den USA»
von Sandra und Rodrigo Procacci

Liebe Kiwanis-Kollegen in der Schweiz

Ich lebe noch und melde mich aus den USA nach den Präsidentsschaftswahlen.

Lang, lang ist's her seit wir die Schweiz verlassen haben und uns auf das Abenteuer USA eingelassen haben.

Zwischenzeitlich ist viel passiert und wir haben viel erlebt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Ich hatte auch Email-Kontakt mit einigen Mitgliedern des KC Zug's.

Anbei ein chronologischer Auszug aus unseren News seit unserer Ankunft vor 2 Jahren.

Dieses Wochenende fliegen wir in die CH um den Grosseltern eine Chance zu geben Ihre Enkelkinder life zu sehen; gleichzeitig wollen unsere Boys bereits beginnen mit Skifahren!

Diesen Sommer hatten Sandra und Alina ein wirklich eindrückliches Erlebnis, sind Sie doch dem wahrhaftigen, umwerfenden George Clooney begegnet! Er und Rene Zellweger haben den Greenviller' Stadtschlüssel bekommen. Der neuste Clooney Film "Leatherheads" wurde doch hier in unserer Umgebung gedreht.

Alina wollte wissen, warum er überall seinen Namen hinschreiben muss: "Mom, wissen die den nicht wie er heissst?" !

Letzte Weihnachten waren wir in der Schweiz zum Skilaufen, was für uns alle wieder ein Erlebnis war. Unsere Jungs haben die ersten Erfahrungen auf ihren Plastikskiern gesammelt und Ennio wollte dann auch gleich mit Papa auf den Skilift. Als wir hier die Fotos gezeigt haben, konntens die meisten gar nicht fassen, wie schön die Schweiz ist und wieviel Schnee es da gibt!

Zwischenzeitlich bin ich auch Mitglied des Kiwanis Club Simpsonville und nehme soweit möglich an den entsprechenden Anlässen teil.

Eindrücklich war die Christmas Party; statt wie in der CH selber das Essen zu geniessen organisieren wir Essen, Trinken und Geschenke für sozial minderbemittelte Familien und Kindern und bedienen diese ca. 200 Personen. Für die Kinder organisieren wir einen St. Niklaus und entsprechende Geschenke. Hier in den USA ist natürlich alles irgendwie gesponsert.

Ein bleibender Eindruck war jedoch diese Ausdrucksweise in den Gesichtern dieser Kinder.

Sowohl letztes Jahr wie auch dieses Jahr hatten wir regelmässig Besuch aus der CH, was uns zusätzlich Gelegenheit gab unterwegs zu sein, und viel zu sehen und erleben.

Alina geht sehr gerne zur Schule und kann jetzt auch schon ganz gut lesen und schreiben. Das Schulsystem unterscheidet sich ja recht stark zum Schweizerischen, wir sind aber beeindruckt, wieviel sie in den vergangenen Monaten bereits gelernt hat. Sie spricht nun auch zu Hause immer mehr Englisch, will aber immer wieder wissen, ob und wann wir wieder mal in die Schweiz fliegen.

Ob sie nun den Mozzarella aus dem Kühlschrank holen und mit dem Buttermesser auf dem Sofa, ihren Kleidern, dem Teppich-, und Holzboden verteilen oder ob sie versuchen mit dem Küchenmesser Limetten zu schneiden auf dem Sofa, oder sie probieren den Lippenstift aus und dekorieren sich, die Fenster und Wände damit -- ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und uns wird dabei nie langweilig!

Zum einen sind sie jetzt so richtig im Trotzalter, zum anderen sind sie unglaublich "kreativ" um es mild auszudrücken.

Ja und dann unsere Jungs über die Beiden könnten wir bereits ein Buch schreiben!

Im Sommer besuchten wir mit unseren Kids das Disney World in Orlando und anschliessend verbrachten wir einige Tage am Golf von Mexico.

Im 2007 konnten wir eine sehr lange Warmwetter-Periode von März bis Oktober geniessen. Die Temperaturen waren von 25° bis 40° im August, wobei dann die relative Feuchtigkeit fast 100%.

Nach unserer Rückkehr im Januar konnten wir unser Glück nicht fassen, als wir am Sonntag wiedermal unterwegs auf Haussuche waren und ein entsprechendes Haus gesichtet hatten, dass im richtigen Schulsprengel war und gemietet werden konnte.

Nun leben wir seit Ende Februar 07 in diesem für amerikanische Verhältnisse durchschnittliches und für CH-Verhältnisse angenehmen Haus.

Alina ging im November in eine Int. Pre-School, wo sie einen sehr guten Einstieg in die Englische Sprache und soziale Integration geniessen konnte. Im August 2007 erfolgte der Schulbeginn in einer öffentlichen Schule in Greenville, die Sie seither besucht.

Unsere Social Security Number (=AHV-Nummer in der Schweiz) ist bestellt, mein Auto müsste ich nächste Woche bekommen (und nun sind wir fleissig damit beschäftigt, Termin zu vereinbaren um einen Kindergartenplatz für Alina zu bekommen und um ein Haus zu finden, was doch nicht so einfach zu sein scheint, da die Amerikaner eher Häuser kaufen / verkaufen als sie zu vermieten.

Im Gegensatz zu der Schweiz oder Europa oder wenn ich zurückdenke als ich in Australien gelebt habe, wird man in den USA vorerst als "legal alien" toleriert und alles muss erarbeitet werden. Ohne Social Security Number kann gar nichts beantragt werden, da man ja nicht registriert und auch entsprechend keine History hat.

Um eine Kreditkarte beantragen zu können, wird eine Credit History benötigt um die entsprechende Bonität zu beweisen. Diese kann jedoch nur mit dem Einsatz von Kreditkarten aufgebaut werden, indem etwelche Beschaffungen in Raten zurückgezahlt werden. Langjährige Kreditkarten-History aus Europa interessiert niemand.

So könnt Ihr Euch vorstellen, dass ich z.T. kreative Ansätze eingesetzt habe um die entsprechenden administrativen Belangen zu erledigen.

Nach den ersten Wochen im Apartment folgte für uns eine anspruchsvolle Zeit von ca. 4 Monaten, die geprägt wurde von ein einem administrativen Spiessrutenlauf. Zu erledigen waren die Social Security Number für alle Familienmitglieder zu beantragen, Anmeldung bei der Krankenkasse, Eröffnung eines Bankkontos, Kreditkarte beantragen, Auto's einlösen, Strom, Wasser, Internetservice beantragen.

Die nächste Station war der Autovermieter AVIS. Nach diversen administrativen Formalitäten bekamen wir endlich unsere 2 Mietautos (in der Zwischenzeit war Mitternacht vorbei, und wir waren seit 04.45 Uhr auf den Beinen.....). Nun ging's darum, von Charlotte, North Carolina nach Greer in South Carolina zu fahren. Um 02.00 Uhr (eure Zeit) war auch das geschafft und wir wurden mit einem herzlichen "Grüessech" auf Schweizerdeutsch empfangen!!! Joseph unser "Empfangskommitee" ist ein Schweizer der seit 12 Jahren hier lebt. Er wusste auch genau, was uns fehlen würde und hat uns sofort mit Kaffee, Milch, Brot, Frühstücks- Cerealien, Butter, Wasser ect. versorgt. Um ca. 03.00 (eure Zeit, und 21.00 Uhr unsere Zeit) sanken wir todmüde ins Bett.

In der neuen Welt in Charlotte angekommen, machten wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit einem arroganten, amerikanischen Zollbeamten, welcher uns nach der Bemerkung, "ohhh such a big family" ziehen liess.

Am Dienstagmorgen, 10.10.06 sind wir um 09.00 Uhr von Kloten Richtung München losgeflogen! Nach ausführlichen Sicherheitscheck's, und nach Problemen mit unseren elektronischen Flugtickets, wurde uns gnädigerweise erlaubt, Richtung USA los zu fliegen. Unsere Kid's fanden den Aufenthalt im Flugzeug nur mässig lustig und interessant. Und Alina fragte: Mamma, warum ist Amerika soooo weit weg? Und auf die Frage, ob sie sich freue zu Weihnachten in die Schweiz zu fliegen, verdrehte sie die Augen und meinte: "nei, nei, vergiss das!!

Ich hoffe Ihr hattet einen entspannte Weihnachtsfeier.

Gespannt sehen wir Euren Reaktionen entgegen.

Wir wünschen Euch frohe Weihnachten und ein gutes Neues Obama-Jahr

Beste Grüsse

Sandra und Rodrigo Procacci